Johann Wolfgang von Goethe

Regie
Alexander Flache
Bühne & Kostüme
Anja Furthmann
Dramaturgie
Kathrin Brune
Schauspieler:
Magda Decker, Lysann Schläfke, Maria Schubert, Pia-Micaela Barucki, Jan Gerrit Brüggemann

Theater Chemnitz - Schauspielhaus -Ostflügel

Premiere 04.03.2016

 
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KRITIKEN

Sehnsucht und Verzweiflung
In der Mitte ein rundes Podest voller Sand. Drumherum vier Glaskästen. Das ist der LANDSITZ; auf dem Stella leidet. Blutjung und schon verlassen. Von Fernando, der vor ihr schon Frau und Tochter aufgab. Irgendwie kann er nicht anders. Er braucht seine Freiheit. Doch nun kommen sie alle wieder zusammen und die Haushälterin von Stella noch
dazu (…) Eigentlich geht es bei ‚Stella'-Inszenierungen ja immer nur ums Ende. Welchen Schluß wird die Regie wählen? (…) Das Schauspiel Chemnitz hat eine dritte Idee. Und die ist durchaus nachvollziehbar. (…) Zuvor schauen wir 1 1/2 Stunden lang zu, wie vier Schauspielerinnen und ein Schauspieler schöne Wesenszüge für ihre Figuren erarbeiten, Facetten von Gefühl und Herzeleid oder eben jugendlicher Unbekümmertheit. (…) „Karacho“ 04/2016 Jenny Zichner

Peepshow der Gefühle
(…) Vier winzige Plexiglashäuser, in denen die Figuren sitzen. Dazwischen kleine Blöcke mit den Sitzreihen fürs Publikum. Und in der Mitte dreht sich ein kleines rundes Podest. Wie liebt man, wie lebt man zusammen? Da hat sich seit Goethes Zeiten wohl einiges verändert - und vieles doch auch nicht. Flache sucht einen Zugang zu dem wohl nie auserzählten Stoff, der moderner Befindlichkeit nahe kommt - ein flüchtiger Frauenkuss inklusive. Und doch geht es eigentlich nur um Fernando. Jan Gerrit Brüggemann zeigt ihn als schnell erschöpften Mann, dessen Unfähigkeit, sich für eine der Frauen zu entscheiden und in der Konsequenz die andere zu verletzen. Dass er sie einst verließ, hat Ehefrau Cäcilie (Maria Schubert) hart gemacht. Stella (Magda Decker) dagegen ist der leicht entflammbare Widerpart. (...) erfrischend unbekümmerte Nochnichtfrau Lucie (wunderbar: Lysann Schläfke). Es gab langen Beifall vom Premierenpublikum. 08.03.2016 FREIE PRESSE Uta Trinks

Schwachheit, dein Name ist Mann
(…) Wie gehen Menschen miteinander um? Welche Beziehungen dulden sie, mögen sie, halten sie für gut? Sitzen wir alle im Glashaus? Und werfen Steine, weil wir neidisch, eifersüchtig, egoistisch sind? Das hat was. Und es klappt. Anja Furthmann (Bühne und Kostüme) hat vier Glashäuser im Raum gebaut, Schutzräume für Egoismen, die aneinandergeraten, wenn sie aus ihren gläsernen Seelen-Schneckenhäusern auf das Dreh-Rondell der Öffentlichkeit geworfen werden, wenn der feste Boden sandig fragil wird. (...) Cäcilie ist die leidvoll Liebende. Maria Schubert gibt das Opfertier so glaubhaft und seriös, dass jede(r) gleich Mitleid mit ihr hat. Stella (…) ist Magda Decker. Flache macht sie zur absolut Liebenden, zur 24-Jährigen,
die wie ein Teenager verknallt ist, rumalbert, sauer ist, rotwangig verliebt bis über beide Ohren. Die Liebe per se. Herrlich, wie sie sich mit Fernando rosengebettet auf dem Rondell balzend balgt.Pia-Micaela Barucki gibt die bei Flache entscheidend wichtige Mischung aus dea ex machina und griechisch besser- oder alleswissendem Chor. Sie hat schon alles erlebt,und trotzdem würde sie alles liegen lassen, kriegte sie Fernando. Und aller Mist stänke von vorn. Sie ist auch die, die am ehesten spürt, wo Liebesgefahr droht. Tolle Charakterstudie. Und Lucie, das Töchterchen? Lysann Schläfke begeisterte uns einmal mehr. (…) Theaterförderverein Chemnitz 05.März 2016