Yasima Reza

Regie
Alexander Flache
Bühne & Kostüme
Petra Linsel
Dramaturgie
Friederike Spindler
Musik/Komposition
Marco De Haunt

Schauspieler/innen:Christian Ruth,
Marko Bullack, Philipp von Schön-Angerer

Theater Chemnitz - Schauspielhaus

Premiere 18.03.2017

FOTOS VIDEOS  
KRITIKEN

Wenn Freunde zu Schnöseln werden
Der Gegenstand des Stücks ist komplex wie das Leben - und die Biografien wie Vorurteile der drei Freunde Marc, Serge und Yvan. Nicht jeder der drei steht auf der Gewinnerseite, glauben die anderen, die sich freilich auf der sicheren Seite wähnen. Nicht einmal die moderne Malerei spielt die Hauptrolle in diesem klugen Stück - sie ist nur Anlass dafür, Ungesagtes unter dem Teppich hervorzukehren. Viel Erkenntnis, nicht immer nützlich, drängt ans Licht, und letztlich steht die große Frage im Raum, ob sie, da sie nun alles voneinander wissen, wohl Freunde bleiben werden? Denn mit jeder Runde Redeschlacht wird ein neues Fass aufgemacht. Mal ist die zu heiratende Frau von Yvan das Opfer, dann die Gattin von Marc, die Serge noch nie wirklich leiden konnte. Und immer tun sich zwei zusammen gegen den Dritten. Die Versöhnung währt aber nur kurz für die Schnappatmenden, dann geht der Streit von vorn los. Auf Verbalattacken folgen tätliche Angriffe. Zum Höhepunkt wird das Baguette zur Waffe, bei einer Kissenschlacht fliegen die Fetzen. Es ist eine Herausforderung für die Regie von Alexander Flache, diesen eskalierenden Streit, diese prasselnden Texte ohne nachlassende Spannung auf die Bühne zu bringen. Er begegnet ihr frontal mit klarer Linienführung. Die Bühne in Schwarz, das Streitobjekt ist mit weißen Bahnen angedeutet. Zu den aufeinanderprallenden Meinungen gesellt sich nicht viel: ein Blumentopf, ein Baguette.
Freie Presse 20.03.2017 von Marianne Schultz

KUNST
Dabei hat Regisseur Alexander Flache ein eingespieltes Trio zur Verfügung, denn Marko Bullack als sensibel-einsamer Serge, Philipp von Schön-Angerer als derber Marc und Christian Ruth alsschüchterner, aber sozial kompetenter Yvan, kennen sich schon seit 2010. Nun gönnen sie sich die Dekonstruktion einer Männerfreundschaft frz. Art, die nebenher einen Diskurs über abstrakte ‚Kunst-Scheiße' führt: Ein weißes Bild ohne weißen Adler, aber mit feinen weißen Streifen, welches 200 000 Euro gekostet hat, aber gar noch zehn Riesen mehr Wert sein soll, zeigt nicht nur die Einsamkeit des noch frauenlosen Serge, sondern auch den Zustand der Freundschaft, bei der die Zwei-Drittel-Meinungsmehrheit ständig wechselt. Das ist grundsolide inszeniert (...) Petra Linsel, die neben einem Dresdner
Architekturdiplom noch einen Baseler Designmaster in der Schrankwand hat, gelang (...) neben den schicken Charakterkostümen eine faszinierende Lösung für die Kunstdarstellung. Fünf einzelne weiße Fahnen im Hochformat werden im Hintergrund en passant immer neu variiert, während auf der rotierenden Drehbühne weiße Stoffverwicklungen vom drohenden Bildersturm abhalten und das Spiel meist vorn an der Rampe halten. (...)"
Dresdner Neueste Nachrichten 28.03.2017 Andreas Herrmann

…oder kann das weg?
Premiere im Rückblick: Bejubelte Premiere von Yasmina Rezas „Kunst“ am Samstag im Chemnitzer Schauspielhaus
Sie giften sich an, sie krabbeln geiferisch aufeinander zu, sie wollen ihre Freundschaft, sich selbst wiederhaben, doch sie hatten sich nie. Und am Ende ist
alles gesagt, der Vorhang bleibt offen wie alle Fragen auch. Die waren in herrliche Komik verpackt, in Wortwitze und alltäglichen Wahnsinn. Diese bitterböse Komödie ist auch ein Lust-Spiel. Weil wir uns Rezas Anzug ja nicht anziehen müssen. Weil Lachen über Andere immer noch prustigschöner ist, als Lachen über
sich selbt. Wie sagte eine Zuschauerin beim Rausgehen: „Gott, hab ich gelacht. Und mir sind gleich ganz viele Situationen bei Freunden eingefallen, die genauso abliefen.“ Bei Freunden. Bei Anderen…
Gutes Stück, interessante Inszenierung, großartige Schauspieler. Viel Beifall..
Theater Förderverein März 2017